Experteninterview zum Widerrufsrecht

Stephan Scheibe Bild - Dr. Lübke & Kelber GmbH - Living StuttgartSeit dem 13. Juni 2014 haben potenzielle Immobilienkäufer die Möglichkeit, binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen Maklerverträge, die als Fernabsatzvertrag z. B. über das Internet geschlossen wurden, zu widerrufen. Viele Interessenten sind jedoch verunsichert, dass Makler ihren Provisionsanspruch dennoch erhalten können. Soll der Makler sofort tätig werden, kann das Widerrufsrecht nämlich erlöschen. Stephan Scheibe, Teamleiter Wohnimmobilien bei Dr. Lübke & Kelber, steht hierzu Rede und Antwort.

 

 

Herr Scheibe, was hat es mit dem Widerrufsrecht bei Maklerverträgen auf sich?

Die Widerrufsfrist gilt 14 Tage ab dem Tag des Vertragsabschlusses mit der Anforderung des Exposés, allerdings nicht vor Erhalt der Widerrufsbelehrung auf einem dauerhaften Datenträger wie z. B. E-Mail, Brief oder Fax. Deshalb belehren wir Interessenten über ihr Recht, noch bevor sie auf unserer Seite ein Exposé als Nachweis der begonnenen Vermittlungstätigkeit bekommen und dadurch ein Maklervertrag zustande kommt. Ungeachtet dessen nehmen wir ohnehin nur dann eine Maklerprovision, wenn der Interessent tatsächlich einen Kaufvertrag unterschrieben hat.

Dennoch müssen Interessenten – zusätzlich zur Widerrufsbelehrung – bestätigen, dass Sie als Makler sofort die Arbeit aufnehmen sollen. Das klingt zunächst irritierend. Sollte das nicht selbstverständlich sein?

Auch unter potenziellen Käufern gibt es – wenn auch nur in seltenen Fällen – „schwarze Schafe“. Das Widerrufsrecht birgt das Risiko, dass wir damit beginnen, Leistungen wie Exposés oder Besichtigungen zu erbringen und der Interessent anschließend wiederholt sein Widerrufsrecht geltend macht, um den Maklervertrag zu annullieren. Diesem Missbrauch möchten viele Makler verständlicherweise vorbeugen, indem sie den Verzicht auf das Widerrufsrecht einfordern. Eine Möglichkeit wäre natürlich auch, die 14-tägige Widerrufsfrist abzuwarten und den Kunden mindestens zwei Wochen zu binden, bevor die Nachweis- und die Vermittlungstätigkeit vom Makler erbracht wird. Im Maklergeschäft muss es jedoch in aller Regel schnell gehen. Das erwarten auch die Interessenten von uns.

In der Aufforderung zur sofortigen Tätigkeit des Maklers steht allerdings auch ein Passus, der besagt, dass Interessenten ihr Widerrufrecht verlieren, sofern der Makler während der 14 Tage seine Leistung erbracht hat. Warum?

Tatsächlich sorgt diese Regelung bei einigen potenziellen Käufern für Unbehagen. Ich kann hier allerdings beruhigen. Entscheidend ist: Eine Provision nehmen wir nur dann von unserem Kunden, wenn dieser auch tatsächlich die Immobilie rechtlich wirksam erworben hat. Denn nur in diesem Fall haben wir unsere Maklerleistungen auch tatsächlich „vollständig“ erbracht. Sollte sich der Interessent letztlich gegen das angebotene Objekt entscheiden, fallen weder eine Provision noch sonstige Kosten für ihn an – obwohl wir bereits Leistungen für ihn erbracht haben. Ein Widerruf wäre in diesem Fall nicht erforderlich.

Vielen Dank, Herr Scheibe.

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